Rathaus, Frankenberg

<div>Von all den gut erhaltenen Fachwerkhäusern im hessischen Frankenberg ist das Rathaus jenes, das am meisten heraussticht. Grund dafür sind die zehn Türme, die das 1509 errichtete, zweistöckige Gebäude zum Wahrzeichen der Kleinstadt machen. Jeder von ihnen steht für eine der Zünfte, die zur Bauzeit im 16. Jahrhundert in Frankenberg vertreten waren: Metzger, Bäcker, Schneider, Wollweber, Leineweber, Schuhmacher, Gerber, Schmied, Schlosser und Kannengießer.</div><div>&nbsp;</div><div>Vier Jahre bauten die Bürger von Frankenberg an dem Rathaus im spätgotischen Stil. Ein Feuer hatte den Vorgängerbau zerstört, der nur 50 Jahre alt wurde. Laut historischen Aufzeichnungen sah es dem heutigen sehr ähnlich. Zwischenzeitlich wechselte das Rathaus sein Erscheinungsbild, weil das Fachwerk mit Putz und Schieferplatten abgedeckt wurde, um es vor Wettereinflüssen zu schützen. Im 20. Jahrhundert wurden die ursprünglichen Mauern wieder freigelegt, nur die Verschieferung im oberen Teil blieb aus Denkmalschutzgründen erhalten. Sie gilt als Symbol für die Nähe der Stadt Frankenberg zum&nbsp;<a href="https://mobil.deutschebahn.com/region/west/rheinland/leutesdorf-rheinland-pfalz">Rheinischen Schiefergebirge</a>.</div><h3>Wochenmarkt im Rathaus Frankenberg</h3><div>Wer sich dem Rathaus über Untermarkt und den Marktplatz von Frankenberg nähert, dem fallen schnell drei Dinge ins Auge: die prachtvolle Uhr, deren großer Zeiger als Inschrift die Jahreszahl 1972 trägt, die Statue der Justitia mit Schwert und Waage, deren Schöpfer bis heute unbekannt ist, und die bunte Holzschnitzerei darunter, die zwei Figuren im Huckepack zeigt. Auch das Eingangstor am Obermarkt ziert eine ähnliche Darstellung von einem Narren mit Dudelsack, der auf den Schultern eines anderen Narren sitzt. Ihre Aufschriften „Halt, halt!“ und „Ich pyff!“ werden heute als Einladung an die Bürger interpretiert, das Gebäude zu betreten. „Hereinmarschiert, hier geht es lustig und ausgelassen zu!“, schreibt der Verein lebendige Altstadt Frankenberg e. V. über das Rathaus. Ein Hinweis auf das lebendige Treiben vergangener Jahrhunderte innerhalb der Fachwerkmauern: Wo heute Amtsgeschäfte abgewickelt werden, feierten die Frankenberger allerlei Feste, Hochzeiten, trugen Gerichtsverhandlungen und Versammlungen aus und veranstalteten Märkte.</div><div>&nbsp;</div><div>Ein Wochenmarkt findet noch jeden Samstagvormittag statt, auf dem Händler aus Frankenberg und Umgebung im sogenannten Rathausschirn, der 22 Meter langen und fast sechs Meter hohen Halle,&nbsp; ihre Waren anbieten. Besucher erhalten dabei außerdem immer wieder Einblick in saisonale Handwerkstraditionen wie dem Kerzenziehen an Weihnachten oder Ostereiverzierungen im Frühjahr.</div>