Raesfeld-Erle

<div>Im Schatten der „Erler Femeiche“, einem Ortsteil der Gemeinde Raesfeld (Kreis Borken i. Westf.), erinnere ich mich zwangsläufig an die Zeitgeschichte und an die eigene Vergänglichkeit. Voller Bewunderung, ja, Demut, denn dieser imposante Baumriese zieht mich immer wieder in seinen Bann. Zu Zeiten des Mittelalters tagte der Freistuhl unter der Eiche: das Erler Femgericht. Von einem Freistuhl, einer großen Steinplatte aus hielten die freien Grafen mit sechs Schöffen nach dem Recht Kaiser Karls des Großen (747-814) Gericht über Schwerverbrechen wie Mord, Raub, Brandstiftung und Meineid; ein Schuldspruch zog stets den Tod am Strang nach sich. Die tausendjährige Femeiche ist seit 1996 als Naturdenkmal ausgewiesen und als solches bei der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Borken gelistet. Mir fällt noch eine bemerkenswerte Aussage von Alexander von Humboldt in den Sinn, einem Freiherrn und deutschen Naturforscher (1769-1859): „Habt Ehrfurcht vor dem Baum. Er ist ein einziges grosses Wunder, und euren Vorfahren war er heilig. Die Feindschaft gegen den Baum ist ein Zeichen der Minderwertigkeit eines Volkes und von niederer Gesinnung des einzelnen.“&nbsp;</div>