Leipzig

<div>Mit Leipzig sind meine Kindheitserinnerungen verknüpft. Wir lebten damals in der Nähe von Leipzig und fuhren regelmäßig mit dem Zug in diese schöne Stadt. Für mich war das immer wieder eine spannende Fahrt, obwohl mir in der Straßenbahn, die uns zu unserem weiteren Ziel brachte, immer wieder furchtbar übel wurde. Routinemäßig kehrten wir nachmittags im Cafe Platzhoff ein, wo ich eine Art Kakao bekam und ein Stück Tortenersatz. Eines Tages, als wir wieder einmal auf dem Weg zum Cafe waren, es herrschte eine undefinierbar beängstigende Stimmung, zerrte mich meine Mutter zum Eingang des Cafes. Doch die Tür war verschlossen. Erst nach energischem Klopfen öffnete sich die Tür einen kleine Spalt, die Bedienung erkannte meine Mutter und ließ uns ein. Als wir später an unserem Tisch saßen und unsere Bestellung aufgeben wollten, gab es einen fürchterlichen Tumult auf der Straße. Wir schoben die schweren grünen Samtportieren beiseite, und sahen demolierte, brennende Straßenbahnen, brennende Fahnen und Männer, die mit herausgerissenen Pflastersteinen warfen. Wir waren Zeugen des&nbsp; Aufstands vom 17. Juni 1953. Kurze Zeit später übersiedelten wir nach Hannover. Kürzlich wollte ich mich in meine Kinderzeit zurück versetzen und suchte in Leipzig nach dem Cafe Platzhoff. Das Haus in dem sich das Cafe befand, ist jedoch, nach Auskunft mehrerer Leipziger, im Zuge der Neugestaltung der Stadt, abgerissen worden.&nbsp;</div>