Oberkirchturm, Bad Frankenhausen

<div>Der schiefe Turm von Bad Frankenhausen im Kyffhäuserkreis reiht sich in jene Vergleiche ein, die die Liebe der Deutschen für Italienisches offenbart: Da wird&nbsp;<a href="https://mobil.deutschebahn.com/region/ost/dresden">Dresden</a>&nbsp;zum Elbflorenz,&nbsp;<a href="https://mobil.deutschebahn.com/region/nord/hamburg">Hamburg</a>&nbsp;zum Venedig des Nordens oder das&nbsp;<a href="https://mobil.deutschebahn.com/region/sued/baden/staufen-im-markgraeflerland">Markgräflerland</a>&nbsp;in Baden-Württemberg zur Toskana Deutschlands. Weil sich der Turm der Oberkirche von Bad Frankenhausen mit 4,6 Meter Abstand zum Lot sogar weiter neigt als das italienische Original, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis die Kurstadt als thüringisches Pisa in Reiseberichten auftaucht.&nbsp;</div><div>&nbsp;</div><div>Dabei galt der Abriss des Wahrzeichens von Bad Frankenhausen bis 2011 als sicher. Die Evangelische Kirche als Besitzer sprach sich gegen die Sanierung aus. So kaufte die Stadt das Sorgenkind und begann mit der Planung zur Erhaltung des 56 Meter hohen Bauwerks. Für die Einwohner von Bad Frankenhausen gehört der geneigte Turm unbedingt zu ihrer Stadt, weshalb sie sich über einen Förderverein mit Spenden an der Stützkonstruktion beteiligten.</div><h3>Wahrzeichen von Bad Frankenhausen</h3><div>2016 wurden die Arbeiten in Bad Frankenhausen erfolgreich abgeschlossen. Nachjustierbare Stahlstützen sichern seither den Turm der Kirche „Unserer Lieben Frauen am Berge“, wie sie vollständig heißt. Begehbar ist allerdings nur das Kirchenschiff, der Turm ist laut Auskunft der örtlichen Tourist-Info nach wie vor gesperrt. Erst müssen Dach und Treppe erneuert werden, wofür die Stadt derzeit an der Finanzierung arbeitet. Ein Pavillon vor dem Kircheneingang informiert Besucher über den Ablauf der Turmsicherung und die notwendigen zukünftigen Bauvorhaben. Als Kulisse für Konzerte und Veranstaltungen sowie als Blickfang in der Stadtansicht erfüllt der Oberkirchturm für Touristen wie Einheimische allemal eine wichtige Rolle.</div><div><br></div><div>Der Grund für die 4,93-Grad-Neigung liegt im Boden von Bad Frankenhausen: Eine Sole unterhalb der Kirche löst Stoffe aus dem Karstgestein und höhlt es, sodass der Untergrund Stück für Stück nachgibt. Historische Aufzeichnungen legen nahe, dass Einwohner bereits 1640 die Schieflage des Gebäudes bemerkt haben. Auch damals versuchte man, baulich gegenzusteuern: Als die hölzerne Turmspitze 1759 bei einem Feuer zerstört wurde, setzte man die neue bereits so auf, dass sie der Neigung entgegenwirkte.</div>