Die Reichstagskuppel, Berlin

<div>Die Reichstagskuppel gehört zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten in Berlin. Dabei hätte das Reichstagsgebäude fast ohne sie auskommen müssen: Stararchitekt Norman Foster hatte einen Kuppelbau strikt abgelehnt und stattdessen einen gigantischen Baldachin vorgeschlagen, der das Reichstagsgebäude überspannen sollte. <br><br></div><h3>Besuchermagnet Reichstag</h3><div>Fast 2,2 Millionen Menschen haben im Jahr 2015 das Reichstagsgebäude in Berlin besichtigt. Die imposante Glaskuppel sowie die Dachterrasse gehören zu den Highlights eines solchen Besuchs. Auf den spiralförmig angeordneten Gängen der Reichstagskuppel kann man den Blick in alle Richtungen über zahlreiche Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt vom&nbsp;<a href="https://mobil.deutschebahn.com/region/ost/berlin/brandenburger-tor-684f88c0-1627-4321-a90e-67c1f1421db3">Brandenburger Tor</a>&nbsp;bis hin zum&nbsp;<a href="https://mobil.deutschebahn.com/region/ost/berlin/berlin-hauptbahnhof">Hauptbahnhof</a>&nbsp;schweifen lassen. Täglich von acht bis 24 Uhr ist der Zugang möglich, eine Anmeldung über die&nbsp;<a href="http://visite.bundestag.de">Website des Bundestages</a>&nbsp;ist Voraussetzung. Wer spontan kommt, muss etwa zwei Stunden Wartezeit mitbringen, nachdem er im Berlin-Pavillon gegenüber einen Termin reserviert hat. Besonders empfehlenswert ist ein Besuch zur Abenddämmerung, wenn Berlin ringsum langsam erleuchtet. Geschlossen ist die Kuppel drei- bis viermal im Jahr für Reinigungsarbeiten und bei besonderem Wetter. Im Sommer 2015 wurde sie kurzzeitig für Besucher gesperrt, nachdem die Temperatur im Inneren 49,3 Grad erreicht hatte.</div><div><br></div><div>Das Reichstagsgebäude besucht man aber nicht nur wegen des Ausblicks auf die Hauptstadt, sondern auch wegen des Einblicks in die deutsche Geschichte. Neben kostenlosen Audioguides in mehreren Sprachen werden Führungen mit politisch-historischem oder kunst- und architekturgeschichtlichem Schwerpunkt angeboten. Letztere haben seit einigen Monaten auch Werke von Christo im Programm, die in der Vorbereitung zum&nbsp;<a href="https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2015/kw47-christo/395996">„Verhüllten Reichstag“</a>&nbsp;entstanden sind, jenem Kunstprojekt, bei dem das Parlamentsgebäude 1995 für zwei Wochen unter weißem Stoff verschwand.&nbsp;</div><div><br></div><div>Im Anschluss an die Verhüllungsaktion startete der bislang letzte Umbau des Reichstagsgebäudes – nach Ideen des Stararchitekten Sir Norman Foster, der die Ausschreibung gewonnen hatte. Er hatte in seinem Entwurf ursprünglich keine Kuppel vorgesehen. Stattdessen hatte er als Aussichtsplattform einen gigantischen Baldachin vorgeschlagen. Dieser Überbau hätte an vier Pfeilern aufgehängt, das Reichstagsgebäude überspannt – der Entwurf war deshalb damals von der deutschen Presse als „Tankstelle“ betitelt worden. Auf Drängen des Ältestenrats des Bundestags ergänzte Foster nachträglich eine Kuppel mit einem Durchmesser von 38 Metern und einer Höhe von 23,5 Metern in seinem Entwurf. Die technischen Besonderheiten: Die Kuppel befindet sich direkt über dem Plenarsaal, eine trichterförmige Spiegelkonsole leitet das Tageslicht von draußen hinab zu den Abgeordneten. Dieser nach oben geöffnete Trichter dient ebenfalls der Frischluftzufuhr zum Plenarsaal, eine ausgeklügelte Vorrichtung verhindert, dass es den Abgeordneten im Plenarsaal auf den Kopf regnet. Und schließlich: Ein automatisiertes Sonnensegel richtet sich selbst aus, um Blendungen zu vermeiden.<br><br></div><h3>Von Reichstagsbrand bis Wiedervereinigung</h3><div>Neben den technischen Raffinessen ist die politisch wechselvolle Geschichte des 1894 zum ersten Mal eröffneten Gebäudes nennenswert: Der damalige Kaiser Wilhelm II. war kein Fan des Bauwerks, das Architekt Paul Wallot geschaffen hatte, er nannte es einmal sogar „Gipfel der Geschmacklosigkeit“. 1933 unterstützte ein unter dubiosen Umständen ausgebrochenes Feuer die Nationalsozialisten rund um Adolf Hitler dabei, über Notstandsgesetze die Macht an sich zu reißen. Nach dem Reichstagsbrand wurde das Gebäude nur notdürftig saniert. Es diente während des Zweiten Weltkrieges kurzzeitig als Kinderstation der Berliner Charité, weshalb einige hundert Berliner den Reichstag ihren Geburtsort nennen. Nach 1955 gab es zwar erneut Renovierungsarbeiten, allerdings ohne Ausrichtung auf eine konkrete Nutzung. Nach dem Fall der&nbsp;<a href="https://mobil.deutschebahn.com/region/ost/berlin/eastside-galerie-in-berlin-direkt-an-der-spree">Berliner Mauer</a>&nbsp;fand das Gebäude schließlich zu seinem Ursprungszweck zurück: Am 4. Oktober 1990 hielt der Deutsche Bundestag seine erste Sitzung nach der Wiedervereinigung dort ab.</div>