Moorlake, Berlin

<div>„Die Moorlake ist der Ort, an dem man wahrscheinlich am ehesten versteht, was den Berliner Charme ausmacht. Ein idyllischer Ort direkt am Wasser, an der Havel, unweit der Glienicker Brücke, die Berlin mit Potsdam verbindet und auf der im Kalten Krieg Spione ausgetauscht wurden. In der Vorbereitung zu dem Kinofilm „Alle Anderen“ bin ich, ein gebürtiger West-Berliner, mit der aus Karlsruhe stammenden Regisseurin Maren Ade dorthin gefahren, um ihr zu zeigen, was West-Berlin war.<br>An der Moorlake gibt es auch das gleichnamige „Wirtshaus Moorlake“, in dem wir später essen gingen. Dort arbeiten noch richtige Ober und keine Studenten. Sie tragen grüne Westen und haben die Art schnodderige Arroganz, wie sie für Berlin so typisch ist. Es gibt gut bürgerliche regionale Küche, was in dieser Stadt nicht gerade leicht zu finden ist. Maren hatte Crème brûlée als Nachtisch bestellt, die sie nicht ganz aufaß. Als der Kellner sich danach erkundigte, entgegnete sie, sie sei kalt gewesen. Daraufhin der Kellner: <em>Dit is nich kalt. Dit is lau.<br></em>Die Moorlake ist ziemlich weit draußen, und als Maren mich in die Schaubühne zu meiner abendlichen Vorstellung fahren wollte, sprang ihr Auto nicht mehr an. Es war schon spät, und ich machte mir Sorgen, das Theater nicht rechtzeitig zu erreichen. Plötzlich stand der Ober in einem Anorak vor uns, da er von unserem Problem mitbekommen hatte, und bot mir an, mich ins Theater zu fahren. Nach einer halben Stunde Fahrt ließ er mich pünktlich vor der Schaubühne raus. Als ich ihm Theaterkarten als Dankeschön anbot, meinte er: <em>Ne danke. Ick hab zu Hause schon jenug Theater.“</em><br><br>Als langjähriges Ensemblemitglied der Berliner Schaubühne spielte der 1976 geborene Schauspieler Lars Eidinger bereits unzählige Haupt- und Nebenrollen in weltbekannten Klassikern – darunter die des Malcolms in „Macbeth“ oder als Hamlet. Auch als Regisseur inszenierte Eidinger bereits mit großem Erfolg Schillers „Die Räuber“ und Shakespeares „Romeo und Julia“. Der umtriebige Eidinger begeistert aber nicht allein ein anspruchsvolles Theaterpublikum, sondern überzeugt auch im TV und auf der Kinoleinwand.<br><br>Parallel zu seiner Theaterkarriere gelang ihm 2009 mit dem Film „Alle Anderen“ der Durchbruch als Filmschauspieler. 2014 spielte Eidinger eine Nebenrolle in dem Drama „Clouds of Sils Marina“ mit den Hollywoodstars Juliette Binoche, Chloe Grace Moretz und Kristen Stewart. Als Filmpartner von „Twilight“-Star Stewart ist Lars Eidinger auch in „Personal Shopper“ (2016) zu sehen. Nicht zuletzt deswegen erhielt der Schauspieler bei den Filmfestspielen in Cannes internationale Aufmerksamkeit.&nbsp;<br><br>„Tatort“-Fans werden Eidinger als Nebendarsteller Kai Korthals aus dem Kieler „Tatort“ kennen, als der er bislang in „Borowski und der stille Gast“ sowie „Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes“ mitwirkte.&nbsp;<br><br>Der Charakterdarsteller mimt vor allem komplexe Figuren, die innerlich zerrissen und ambivalent sind. Für seine schauspielerische Leistung gewann er 2013 den Preis der deutschen Filmkritik als bester Darsteller in „Was bleibt“ und in „Tabu – Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden“. Doch nicht nur als Schauspieler erhielt Eidinger bedeutende Auszeichnungen: Für seine ARD-Produktion „Grenzgang“ bekam er 2014 den begehrten Grimme-Preis.<br><br>Lars Eidinger lebt mit seiner Frau Ulrike und seiner Tochter in Berlin. Nachtschwärmer können Eidinger dort übrigens auch noch in einer ganz anderen Funktion begegnen: Als DJ versetzt er das Tanzpublikum bei der Partyreihe „Autistic Disco“ in der Berliner Schaubühne regelmäßig mit eklektischen Pop- und Elektrobeats in Ekstase.</div>