Kunst-Station, Wolfsburg Hauptbahnhof

<div>Wann waren Sie zuletzt im Museum? Na, schon eine Weile her? Wahrscheinlicher ist es, dass Sie kürzlich auf einem Bahnhof waren. Genau darauf zielt die Kunst-Station am Hauptbahnhof Wolfsburg: Weil dort täglich viele Menschen ankommen und abfahren, gestalten seit über zehn Jahren Künstler einen Warteraum in wechselnden Ausstellungen.</div><h3>Kunstvolle Streifen in Wolfsburg</h3><div>Am Hauptbahnhof Wolfsburg gehen im Durchschnitt 16.000 Reisende ein und aus. Als das Gebäude 2004 saniert wurde, entstand die Idee, diese Menschen mit Kunst zu erreichen und den öffentlichen Raum zur Ausstellungsfläche zu machen. Der französische Künstler Daniel Buren setzte diese Idee in Form begehbarer Grafik auf dem Fußboden um, die sich durch die gesamte Halle und den Tunnel zieht. Buren, der auch den Ehrenhof des Palais Royal in Paris gestaltet hat, nutzt bei seinen Werken als Markenzeichen breite Streifen. Am Wolfsburger Hauptbahnhof sind sie mal quadratisch, mal kreisförmig angelegt oder erinnern an Zebrastreifen. Im Eingangsbereich scheinen sie mit dem Licht zu spielen, das durch die markante Fensterfront des Bahnhofsgebäudes fällt.<br><br>Die kunstvolle Idee fand bei Wolfsburgern und Bahnreisenden Zuspruch, und so wurde ein 15 Quadratmeter großer Wartebereich zur „Kunst-Station“ erklärt, einer kleinen, frei zugänglichen Galerie. Seit 2006 wechseln halbjährlich die Ausstellungen, die in Zusammenarbeit mit der Städtischen Galerie Wolfsburg erstellt werden. Bezieht man Boden, Wände und Decke mit ein, so stehen 35 Quadratmeter Fläche zur Verfügung, die schon mit Modefotografien, Fototapeten, Wandmalereien und -radierungen gestaltet wurden. Auch mit rotem Kunstrasen wurde die Kunst-Station von oben bis unten, samt Sitzbereichen, schon einmal ausgelegt. Die Fifa WM der Frauen im Jahr 2011 wurde thematisch genauso in einer Installation aufgegriffen wie globale Wirtschaftsunternehmen. Immer wieder greifen die Werke das gestreifte Werk Burens auf. Im Jahr 2013 traute sich der Schweizer Künstler Nic Hess als Erster aus der „Kunst-Station“ heraus und gestaltete die große Fensterfront des denkmalgeschützten Gebäudes mit einem Affen aus bunten Farbflächen.</div><h3>Bewegende Kunstwerke</h3><div>Obwohl am Bahnhof Läden wie Plakate um die Aufmerksamkeit der Zugreisenden buhlen, schafft es die Kunst-Station dennoch, die Blicke auf sich zu ziehen. Dafür sorgen auch Hinweistafeln mit dem Slogan „Wir stehen auf Kunst“, der augenzwinkernd nicht nur die Ausstellungen bewirbt, sondern auf den von Daniel Buren gestalteten Boden hinweist.<br><br>Im vergangenen Jahr hatte sich die Künstlergruppe Art &amp; Language der „Kunst-Station“ angenommen. Ein Liedtext, in dem es um einen alten Mann geht, der im Schlaf vom Leben als Millionär träumt, zierte in zwei Sprachen Wände und Fensterfläche des Ausstellungsraums. Reisende sollten den Text lesen und auf die Bilder schauen, die die Zeilen in ihren Köpfen auslösen, so die Absicht der Künstler. Am Rande des Textes führte ein QR-Code direkt zum Song. „Bestenfalls hören Reisende mit Kopfhörern den Song und tanzen dann im Bahnhof, umgeben von den Werken von Art &amp; Language und Daniel Buren“, erklärte Marcus Körber von der Städtischen Galerie Wolfsburg die Idee. So werden Reisende in Wolfsburg nicht nur von der Bahn, sondern auch von der Kunst bewegt.</div>