Hundertwasser-Bahnhof, Uelzen

<div>Rundliche Säulen, die mit goldenen Kugeln an der Spitze enden, ein Fußboden, der sich am Übergang zur Wand leicht aufwölbt und ein Brunnen, der mit seinen rauen Steinen und Hängepflanzen an eine Grotte erinnert: der vom Künstler Hundertwasser gestaltete Bahnhof Uelzen lässt einen beim ersten Besuch glauben, man sei in Alices Wunderland und nicht am Rand der&nbsp;<a href="https://mobil.deutschebahn.com/region/nord/lueneburger-heide">Lüneburger Heide</a>. Hier mischen sich denn auch die für Bahnhöfe typischen eilig Reisenden mit den schlendernden Besuchern, die das Gebäude bewundern.</div><div>&nbsp;</div><div>Durchschnittlich 700 Gäste täglich nehmen an den Architekturführungen durch den Bahnhof von Uelzen teil. Veranstaltet werden sie vom&nbsp;<a href="http://www.hundertwasserbahnhof.de/">Verein Bahnhof 2000 Uelzen e. V.</a>, der auch für die Neugestaltung zuständig war. Den Auftrag dafür erhielt der österreichische Künstler und Architekt Friedensreich Hundertwasser, der für seine eigenwillige Formensprache bekannt ist.&nbsp;</div><h3>Bahnhof Uelzen: Wahrzeichen und Veranstaltungsort</h3><div>Bis dahin war der aus der Kaiserzeit stammende Bahnhof Uelzen ein eher schmuckloses Backsteingebäude. Hundertwasser erweiterte es in seinen Entwürfen um bunte Säulen, von denen jede für sich ein Unikat ist. Er verpasste dem Eingangsbereich ein bepflanztes Vordach und dem Inneren einen grottenähnlichen Brunnen. Auf den Bahnsteigen ist seine Handschrift bei den Überdachungen und Aufzügen sichtbar, sodass auch Fahrgäste auf der Durchreise einen Blick auf die Architektur erhaschen können. Selbst die Toilettenanlagen gestaltete der „Architektur-Doktor“ – ein Titel, den er sich selbst gab – mit seinem konsequenten Verzicht auf gerade Linien. Viele Flächen sind mit Mosaiken aus Keramikscherben gestaltet, was bei grauem Regenwetter zur Folge hat, dass ihre Farben umso mehr leuchten. Ein Glanzstück, das Friedensreich Hundertwasser nicht mehr mit eigenen Augen sehen konnte, der Künstler starb während der Bauzeit.</div><div>&nbsp;</div><div>Nicht nur den Bahnhof in Uelzen hat der Österreicher gestaltet: Er hat in vielen weiteren deutschen Städten bauliche Akzente gesetzt, etwa bei der&nbsp;<a href="https://mobil.deutschebahn.com/region/ost/magdeburg/magdeburg-die-gruene-zitadelle-das-hundertwasserhaus">Grünen Zitadelle in Magdeburg</a>. Vielen Architekturkritikern gilt sein Stil dennoch als kitschig. Dem Bahnhof Uelzen hatte Hundertwasser damit allerdings den Titel „Bahnhof des Jahres 2009“ in der Kategorie Kleinstadtbahnhof eingebracht und der Stadt ein Wahrzeichen geschenkt. Dieses wissen die Uelzener zu nutzen, weshalb am Bahnhof Uelzen immer wieder Ausstellungen, Lesungen und Konzerte stattfinden.</div>