Wenn’s nervt, einfach reimen

Artikel: Wenn’s nervt, einfach reimen

Tauberts Anleitung zum Zeitvertreib

Letztens hatte ich es mir für eine nächtliche Fahrt in einem Sechserabteil gemütlich gemacht mit Kisschen und Naschi, da erschien ein Mensch in der Tür, ­dessen Gemütlichkeitsvorstellung dagegen bei Zwiebelringen, Bier und Mit-dem-Kopf-nach-hinten-Sacken-und-röhrend-Schnarchen lag. Wie sollte ich das durchhalten? Ich erinnerte mich an das sogenannte Marshmallow-Experiment aus der Entwicklungspsychologie. Es geht so: In überwachten Zimmern wurde je ein Kind vor ein verführerisches Marshmallow gesetzt. Ihnen wurde gesagt, dass sie die Süßigkeit entweder sofort essen oder warten können, bis der Versuchsleiter zurückkommt – um dann die doppelte Portion zu bekommen. In Langzeitstudien wurde gezeigt, dass jene Kinder, die der Versuchung widerstanden, später im Schnitt bessere Schulnoten und Abschlüsse erreichten. Der Studienleiter Walter Mischel hat später erklärt, warum es manche Kinder schafften: Sie lenkten sich zur richtigen Zeit ab und definierten die Zeit damit nicht mehr als Zumutung, sondern als Spielpause.

Kreatives Reimen bringt Spaß im Abteil

Wer das auch in einem nächtlichen Abteil anzuwenden versucht, dem empfehle ich dafür Limericks.

Das sind kurze, meist launige Gedichte. Man muss dafür der Form AABBA und diesem Reimschema folgen:


1. Das Gedicht beginnt mit einem Hinweis auf einen Ort oder eine ­Person in einem ganz bestimmten Zustand.
(1. und 2. Zeile)

2. Es folgen zwei kurze Beschreibungen, die sich unbedingt reimen ­müssen. (3. und 4. Zeile)

3. Die 5. Zeile schließt das Gedicht mit einer Variation der Zeilen 1 und 2 ab.

Ich legte los: „Es trinken die Menschen in Zügen, als ob sie die Welt nicht vertrügen. Sie spar’n CO₂ und sind heiter dabei. Wer könnte sie dafür schon rügen?“ Oder: „Wir waren gerade bei Halle, da erwachte plötzlich die Qualle, blinzelte kurz, ließ einen Furz. Und lallte: einer für alle!“ In dieser Nacht lachte ich mehr, als ich litt. Als wir morgens ankamen, hielt mir mein Sitznachbar versöhnlich die Tüte Zwiebel­ringe hin. Ich nahm mir zwei.

Hier gibt Autorin Greta Taubert jeden Monat Tipps für den Müßiggang im Zug. Haben Sie Ideen, Lob, Kritik? Schreiben Sie an zeitvertreib@dbmobil.de