24 Stunden in... Aachen

Artikel: 24 Stunden in... Aachen

Zum ersten Mal in der Stadt? Kommen Sie mit. Unser Autor Uwe Pütz entdeckt Aachen.

Der Stoff, dem diese Stadt ihren Ruf verdankt, ist braun und ziemlich hart. „Manche denken, es sei ein Weihnachtsgebäck, doch wir essen Printen das ganze Jahr über“, sagt die Verkäuferin der Bäckerei Klein. Was mich verwunderte, ich hielt die lebkuchenartigen Klötze für eine saisonal auftretende Prüfung der Zähne. Aber bald würde ich erfahren, wie viele Bäckereien die Süßigkeit ganzjährig anbieten.

Hier am westlichen Rand der Republik sehe ich einen alten Freund wieder: Er heißt Bruno. Wir hatten uns vor 20 Jahren in Köln aus den Augen verloren, Bruno zog es in seine alte Heimat, über die er stets als Inbegriff der Provinz redete, mich nach Hamburg. Nun schlendern wir vom Bahnhof in Richtung Zentrum.

„Aachen hat alle Vorteile einer Großstadt, nur ohne Hektik“, sagt Bruno, und scheint bereits eine Tour geplant zu haben. Viel weiß ich nicht über die Stadt im Ländereck zwischen Belgien und den Niederlanden. Ich kenne den Karlspreis, der jährlich an verdiente Europäer vergeben wird. Dabei gebe es so viel mehr, was Aachen sympathisch mache, meint Bruno. Zum Beispiel die kurzen Wege und die Anhöhen, die der Stadt ihre abwechslungsreiche Gestalt verleihen. Aachen ist sehr europäisch, überall in den Straßen schnappe ich niederländische und französische Wortfetzen auf. Die Nähe zu den Benelux-Ländern ist vielerorts greif- und schmeckbar. Nicht nur die Printe sei ursprünglich ja mal aus Belgien eingeführt worden, sagt Bruno, auch die Kultur der guten Pommes frites. 

Dass die Stadt viele Brunnen hat, fällt mir bald auf. Und einer davon wirkt gegen die anderen wie ein Tempel, mit seinen klassizistischen Säulen: der Elisenbrunnen. „Hier sprudelt der größte Schatz von Aachen“, sagt Bruno und führt mich zu einem Hahn, aus dem Wasser fließt. Ich wende mich ab, denn aus dem Brunnen stinkt es gewaltig nach Schwefel. Das soll gut sein? Das Heilwasser hätte die Römer dazu veranlasst, Thermalbäder anzulegen. Und Karl den Großen, seinen Herrschaftssitz hier zu errichten. Der einzige Monarch im Übrigen, den sowohl Deutsche als auch Franzosen als einen der ihren ansehen.

Illustration: Holly Wales

Vom Elisengarten aus sehen wir die Spitzen des Doms. Allein für dieses Gebäude (Weltkulturerbe) und das Rathaus bräuchte man Stunden. Wir gehen weiter durch mittelalterlich anmutende Gassen, mit kleinen, schönen Läden und Cafés, die rufen: Komm rein! Aachen, denke ich, ist ein wenig so wie mein alter Freund: Frei von Hektik und so gemütlich, dass ich gar nicht mehr weg will.

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