„Bei mir traut sich das keiner mehr“

Artikel: „Bei mir traut sich das keiner mehr“

Sie ist laut, sie ist schlagfertig, und sie ist mit ihrem derben Humor die derzeit erfolgreichste Komikerin Deutschlands. Mitten in der Corona-Krise hat sie ihre neue Late-Night-Show im Fernsehen gestartet. Im Titelinterview mit DB MOBIL spricht Carolin Kebekus über widrige Produktionsbedingungen, alltäglichen Sexismus und Konkurrenzkampf unter Frauen. Text: Katja Heer

Den Weg hat sie problemlos gefunden. Mit Rollkoffer kommt Carolin Kebekus – weiße Sneaker, dunkelblauer Jeans-Overall – zum Shooting ins Schmidt Theater. Das legendäre Haus an der Hamburger Reeperbahn kennt sie von früher: „Hier hatte ich den zweiten Auftritt meines Lebens, in der Mitternachtsshow, für fünf Minuten, nachts um zwei Uhr“, sagt Carolin Kebekus und schaut sich im leeren Saal um. Das Theater ist noch geschlossen, Corona-Pause, wie fast überall im Kulturbetrieb. Auch Carolin Kebekus kann momentan nicht auftreten, sie musste ihre Deutschlandtour „PussyNation“ abbrechen. Im Stress ist sie trotzdem – sie produziert ihre neue Late-Night-Show für die ARD. Natürlich beschäftigt sie sich dort wieder mit ihren Herzensthemen: dem Kampf gegen Sexismus und Rassismus. Schlagzeilen machte Carolin Kebekus kürzlich, als sie für einen „Rassismus-Brennpunkt“ die Anfangsminuten ihrer Sendezeit nicht-weißen Menschen zur Verfügung stellte, damit diese von ihren Erfahrungen von Hass, Hetze und Ausgrenzung in Deutschland berichten konnten.

Frau Kebekus, wofür haben Sie den letzten Shitstorm kassiert?
Ach, ich kann mich eigentlich in letzter Zeit an keinen erinnern. Es ist eher so, dass ich dauerhaft beschimpft werde. Vor allem wenn ich etwas gegen die AfD oder gegen die katholische Kirche sage. Ich werde wahnsinnig oft beschimpft.

Was bekommen Sie zu hören?
Ganz häufig bin ich die Systemnutte, die die Gebührengelder verschwendet. Das ist schamloser geworden, oft posten die Leute die Sachen auch mit ihrem Klarnamen, weil das Gefühl herrscht, dass man so was ja endlich wieder sagen darf. Von rechts kommt schon sehr viel Müll. Aber ebenso von Frauenhassern. Männer haben oft Angst vor Frauen, das ist eine große Gruppe. 

Warum das?
Es ist vor allem Angst vor dem Feminismus. Für viele bedeutet das Wort, dass man Männer ausschalten, entmannen oder zumindest aus ihren Positionen drängen will. Auch Frauen denken das. Wie oft schieben sie hinterher, wenn sie etwas zum Thema Frauenrechte gesagt haben: „Das ist nicht feministisch gemeint! Ich bin nicht gegen Männer.“ Wo man dann denkt: „Warte mal kurz, darum geht es doch gar nicht.“ 

Woher kommt das negative Image des Begriffs Feministin?
Der ist immer noch besetzt mit: „Die ist unrasiert und ungebumst.“ Dabei heißt Feminismus doch nur Gleichberechtigung wollen für alle. Die Annahme, dass von einem weiblichen Streben nach Macht etwas Zerstörerisches ausgeht, ist Unsinn. 

Sie sind seit fast 20 Jahren im Geschäft. Wie hat sich die Job­beschreibung für Frauen im Comedybereich geändert?
Früher war die Frau immer die lustige Putzfrau oder die Stichwortgeberin. Ich habe anfangs auch gedacht, der Mann macht den Witz – und die Frau stellt nur die Fragen, die zu dem Witz führen. Hätte ich nicht Vorbilder wie Anke Engelke, Gaby Köster oder Gerburg Jahnke gehabt, hätte ich überhaupt nicht gewusst, dass das ein richtiger Beruf für Frauen ist. Wenn ich anfangs Produzenten gefragt habe, ob ich in einer Show auftreten kann, war es für mich normal, wenn ich die Antwort bekam: „Schade, aber wir haben schon eine Frau.“ Ich habe dann nur gedacht: „Ach ja, stimmt.“ Das hat sich erst langsam gewandelt.

Was ist heute anders?
Frauen sind sichtbarer. Trotzdem werden Männern weiterhin mehr Facetten gestattet. Es gibt immer noch diese Sperre im Kopf, dieses Denken vieler Leute, dass Frauen nicht viel Platz brauchen. Es herrscht das Gefühl, es könne nur eine geben. Nur eine kann die Schönste, Beste, Tollste sein. Dadurch entsteht eine komische berufliche Konkurrenz unter Frauen – dass man ganz schwer eine andere neben sich ertragen kann. Dass es schwerfällt, sie nicht als Bedrohung anzusehen.

Wo fühlen Sie sich von anderen Frauen bedroht?
Konkret kann ich das gar nicht sagen, es ist eher ein generelles Gefühl. Das kennt jede Frau. Wenn da eine kommt, die macht ähnliche Sachen, ist in derselben Branche, da guckt man automatisch kritisch hin, wer das ist. Als gäb’s nur Platz für eine. Ich musste mir das aus dem Kopf arbeiten. Vor allem am Anfang war es auch schwer, Frauen für Projekte zusammenzukriegen. Männer machen das easy. Die rufen sich ständig untereinander an: „Hast du Bock, da mitzumachen?“ Bei Frauen ist das alles schwieriger, zögerlicher, die fragen erst mal, welche Kolleginnen denn noch dabei sind. 

In Ihrer Sendung „Die Carolin Kebekus Show“ tritt Ihre Kollegin Martina Hill mit Ihnen als Influencer-Duo Rebecca & Larissa auf. Sind Sie eher Freundinnen oder Konkurrentinnen?
Ich würde schon sagen, dass wir befreundet sind. Es hat aber lange gedauert, bis es überhaupt mal eine Schnittstelle gab und wir uns kennengelernt haben. Das erste Format, in dem wir zusammen besetzt wurden, war die „heute-show“. Ich bin allerdings generell mit wenigen Kollegen befreundet, egal ob männlich oder weiblich. Der Großteil meines Freundeskreises besteht aus normalen Menschen, die nicht in der Öffentlichkeit stehen. 

Sie thematisieren in Ihrer Show politische Themen wie Rassismus oder Sexismus. Wie hat Ihr Sender reagiert, als Sie Ihren  Rassismus-„Brennpunkt“ mit der Begründung ankündigten, die ARD hätte bislang ja keinen zu diesem Thema gemacht?
Die Reaktion war sehr positiv, schlussendlich hat unsere „Brennpunkt“-Version ja zu Recht den größten Raum in der betreffenden Ausgabe unserer Sendung eingenommen.

Was haben die Zuschauer zum „Brennpunkt“ gesagt?
Ich bin wirklich sehr froh über den großen Zuspruch im TV und auch in den sozialen Medien. Das Video wurde allein bei Facebook mehr als zwei Millionen Mal aufgerufen.

Hat sich etwas durch Bewegungen wie #aufschrei, #MeToo oder #BlackLivesMatter in der Gesellschaft verändert?
Ich habe schon das Gefühl, dass es bei Männern in meinem Umfeld inzwischen ein anderes Bewusstsein dafür gibt, was zum Beispiel uns Frauen täglich umgibt. Wobei aber viele Leute nach wie vor bei jeder Initiative wieder wahnsinnig erstaunt sind. Zum Beispiel jetzt in der Diskussion über Rassismus. Wenn jemand von rassistischen Erfahrungen erzählt, hört man als Reaktion oft: ‚Oh, krass, das habe ich noch nie erlebt.‘ Ich denke dann: ,Nee, hast du natürlich nicht, weil du weiß bist.‘ Ich glaube, deshalb muss man Rassismus und Sexismus in regelmäßigen Abständen präsent machen, damit der Druck der Gesellschaft groß genug wird und keiner mehr sagen kann, er hätte noch nie davon gehört.

Sind Sie manchmal müde durch das ewig gleiche Muster bei den Menschen: erstaunt sein, geloben, es besser zu machen, und es dann doch wieder vergessen?
Es gibt natürlich Momente, in denen man sich fragt: „Warum muss ich das schon wieder sagen?“ Aber dann ist es ebenso. Manche Dinge muss man einfach immer und immer wiederholen, bis sie alle verstanden haben.

In welchen Situationen erleben Sie sexistisches Verhalten?  
Manchmal in Vertragsverhandlungen. Aber das betrifft eher mein Management, das nur aus Frauen besteht. Die werden unterschätzt, ihnen werden Dinge nicht zugetraut. Mir persönlich passiert das natürlich viel seltener als etwa einer Sekretärin, die im Autohaus arbeitet. Ich glaube, bei mir traut sich das keiner mehr. 

War das mal anders?

Klar. Nicht nur im Berufsleben. Es gibt diese Standardsituation, die jede Frau kennt: Wenn man im Dunkeln nach Hause geht und einem eine Gruppe Jungs entgegenkommt, wechselt man die Straßenseite. Und zwar so früh, dass die einen noch nicht gesehen haben. Weil sonst auch das kommentiert werden würde. Als Frau ist man die ganze Zeit total wachsam. Und entwickelt viele Strategien.

Welche haben Sie noch angewandt? 
Ich habe früher nachts auf dem Nachhauseweg den Haustürschlüssel so zwischen die Finger gesteckt, dass ich ihn als Schlagring hätte benutzen können. Wenn ich mit einer Freundin unterwegs war und wir das Gefühl hatten, es wird unheimlich, dann haben wir laut darüber gesprochen, dass wir ja gerade vom Judo kommen und es interessant ist, wie schnell man Eier abreißen kann. Ich kann mich auch an Situationen als Erwachsene erinnern, in denen ich darauf geachtet habe, möglichst wenig aufzufallen oder zu provozieren.  

Haben Sie ein Beispiel?
Vor ein paar Jahren kam ich von einem Auftritt ins Hotel zurück. Damals habe ich noch in mittelgeilen Häusern geschlafen. Es war Mitternacht, ich war noch mega geschminkt, aber schon in meinen Privatklamotten. Ich bin in den Aufzug gestiegen, und auf Höhe der Bar ging die Tür auf und man konnte sehen, alles Anzugleute, die es ein bisschen krachen lassen wollen nach zwei Weizen. Einer von diesen Typen steigt also zu mir in den Aufzug, die Tür geht zu, und da weißt du als Frau, gleich kommt was, gleich kommt ein Kommentar. Und du überlegst dir schon vorher, wie du reagieren kannst. 

Und – was kam?
In diesem Fall ein „Guten Abend, schöne Frau“.  

Klingt erst einmal harmlos.
Ja, es ist zunächst mal höflich formuliert. Aber ich habe überlegen müssen, was ich antworte. Nicht einladend, weil ich nicht wollte, dass der mit mir aussteigt und mir noch dumm aufs Zimmer hinterherläuft. Ich wollte aber auch nicht zu abweisend antworten, weil der sonst sauer geworden wäre, und wer weiß, ich war allein mit dem im Aufzug. Also habe ich einfach nur ganz normal „Guten Abend“ gesagt.

Wie hat er reagiert?
„Ohh, da ist aber einer schlecht gelaunt.“ Ich war also schlecht gelaunt, weil ich einfach nur „Guten Abend“ gesagt habe. Ich war ihm offensichtlich schuldig, nett zu ihm zu sein, obwohl ich da keinen Bock drauf hatte. Genauso, als wenn jemand sagt: „Ach, lach doch mal. Wenn du lächelst, bist du viel schöner.“  Wie oft ich das in meinem Leben gehört habe. Und ich denke dann: „Aber ich habe keinen Bock für dich zu lächeln, wer bist du, ich kenn dich nicht!“

Haben Ihre Eltern Sie zur Feministin erzogen?
Ich bin in einer ganz klassischen Familie aufgewachsen. Mein Vater ging arbeiten, und meine Mutter war zu Hause. Aber meine Eltern haben mir schon mitgegeben, dass ich darauf achten soll, einen Job zu haben. Ich bin 40, und ich glaube, meine Generation ist diejenige, die von ihren Müttern stark gepusht wurde, bloß unabhängig zu sein und eine eigene Karriere zu haben. Weil die noch stark in dem alten System steckten.

Sie haben einen vier Jahre jüngeren Bruder, David. Wurden zwischen Ihnen Unterschiede gemacht?
Nein. Ich habe das nur bei den älteren Generationen in meiner Familie erlebt – zum Beispiel mussten meine Mutter und meine Tante anders im Haushalt mithelfen als mein Onkel. Ich weiß noch, dass mich das als Kind gestört hat. Ich fand es total schön, mit meiner Mutter, meiner Tante und meiner Cousine nach dem Essen den Abwasch zu machen, aber gleichzeitig fand ich es auch blöd, dass die älteren männlichen Verwandten stattdessen irgendwo gesessen und Schnaps getrunken haben. Mein Bruder David und ich hatten aber dieselben Aufgaben zu Hause. Und im Gegensatz zu mir hat David immer sein Zimmer aufgeräumt. Er war viel ordentlicher, das ist heute noch so. 

Auch Ihr Bruder David ist als Comedian auf deutschen Bühnen unterwegs, erst als David Kebe, seit vergangenem Jahr als David Kebekus. Wer von Ihnen beiden war als Kind die größere Rampensau?
Ich. Es existieren wirklich sehr unangenehme Videos von mir. Zum Beispiel als mein Vater einen Film von meinem Bruder und mir gemacht hat, habe ich gesagt: „Filme mich! Ich sag auch noch ein Gedicht auf, ich will noch was vorspielen. Aber filme mich!“ Ich habe mir aus einem Karton einen Fernseher gebastelt und Ansagerin gespielt, so richtig dumm: „Jetzt kommt das Wetter.“ Wirklich unangenehm. Mein Bruder war dagegen einfach niedlich. 

Ist Konkurrenz unter Geschwistern ein Thema bei Ihnen?
Nee, wir waren nie im Wettstreit miteinander. Als David angefangen hat, war ich schon weiter. Ich stand mit meinem zweiten Soloprogramm auf der Bühne. Er ist fast acht Jahre lang unter dem geänderten Nachnamen aufgetreten. Der wollte nie Vorschusslorbeeren. Er hat sich alles selbst erspielt, geübt, seine Bühnenpräsenz gelernt. Erst als er das Soloprogramm fertig hatte und wusste, es ist gut, gab es keinen Grund mehr, auf die Medienaufmerksamkeit zu verzichten, die der Name mit sich bringt.

Ihr Vater ist Bankkaufmann, Ihre Mutter Sozialpädagogin. Haben die beiden Ihre Berufswahl von Anfang an akzeptiert?
Naja, meine Erwartung war auch eine andere. Ich dachte, dass ich was Richtiges mache und nach dem Abi studiere. Ich habe an Theaterwissenschaften gedacht, aber der Numerus clausus war mit 1,9 zu hoch, also musste ich warten. Mein Vater meinte, ich solle die Zeit für ein Praktikum nutzen, also machte ich eines beim Fernsehen, bei der Produktionsfirma der Comedysendung „Freitag Nacht News“. 

Dort haben Sie es schnell vor die Kamera geschafft, als für einen Sketch ein Schauspieler fehlte und Sie einspringen durften. Der Produzent und Comedian Hugo Egon Balder fand Sie lustig und riet Ihnen zu Schauspielunterricht. 
Ich habe angefangen, Theater zu spielen, Kurse zu belegen, hatte privaten Unterricht. Nur hatte ich zu der Zeit große Angst davor, mich der Schauspielerei vollends zu verschreiben. Ich dachte immer, das ist ja nichts Richtiges, ich muss noch irgendwo abbiegen. Aber damals hat mein Vater zu mir gesagt: „Versuch doch, diesen Weg zu gehen. Du bist 24, probiere es zwei Jahre, und wenn es nicht klappt, studierst du halt noch mal. Und solange sind wir da.“ Dann hat er mir 1500 Euro überwiesen.

Wie ging es weiter?
Ich hatte in der darauffolgenden Woche ein Casting für „Was guckst du?!“ und habe den Job gekriegt. Also konnte ich zwei Wochen später meinem Vater das ganze Geld zurücküberweisen. Ab dem Zeitpunkt waren meine Eltern total überzeugt, dass ich das gut machen werde. Wann immer es geht, sitzen sie heute noch in der ersten Reihe, wenn mein Bruder oder ich auftreten. 

Sie sind bekannt für Ihren etwas derberen Humor, der sich oft um Themen gürtelabwärts dreht. Wie finden Ihre Eltern das?
Meine Mutter ist schon diejenige, die öfter sagt: „Also, das war mir jetzt ein bisschen zu ekelig, das musst du nicht noch mal sagen.“ Aber mein Vater lacht eigentlich immer laut. 

Woher kommt Ihr Hang zum Derben?
Keine Ahnung. Wahrscheinlich kann man das tiefenpsychologisch deuten, aber ich kann es nicht erklären. Das war schon immer so. Ich habe es immer gemocht, Leute mal kurz aus der Reserve zu locken – wenn ich in eine Schublade gesteckt wurde, „hübsches kleines Mädchen“ –, sie dann zu konfrontieren mit etwas total Vulgärem und denen dadurch etwas wegzunehmen. 

Welche Rolle spielt gendergerechte Sprache für Sie?
Ich finde es vor allem im Zusammenhang mit Berufsgruppen wichtig, dass man da niemanden grundsätzlich ausschließt. Ich versuche so zu sprechen, auch wenn ich manches schwierig finde. Ich sage zum Beispiel nicht gern „die Klempner und Klempnerinnen“, ich sage lieber KlempnerInnen, das ist kürzer. Da höre ich oft den Einwand, es würde klingen, als gäbe es nur weibliche Klempner. Und ich denke: „Ja, welcome to my life“, so war es ja bisher auch, nur umgekehrt. 

Ihre neue TV-Show ging mitten in der Corona-Krise auf Sendung. Mussten Sie alles umwerfen, was Sie vorher geplant hatten?
Leider vieles. Wir hatten ein Bühnenbild vorbereitet, das einen Showauftritt und einen Platz für meine Band vorsah, mit dem Publikum direkt vor der Bühne. Ich mag es, wenn die Leute nah sind. Das ging alles nicht mehr. Es gab auch lange ein Verbot für Dreharbeiten. Das war anfangs ein krasser Blindflug.

Wie schwer ist es, als Stand-up ohne Publikum auf der Bühne zu stehen und ins Nichts zu sprechen?
Ich habe mich ja von Anfang an darauf einstellen können. Es wäre etwas anderes, wenn Leute vor mir sitzen würden, und die würden nicht reagieren, während ich rede...

Helfen die Lachsalven vom Band?
Die höre ich nicht, das wäre für mich der Tod! Die werden erst hinterher eingespielt. 

Vor der Corona-Krise waren Sie viel unterwegs. Wie haben Sie die Zwangspause privat erlebt?
Ich war entschleunigt. Ich kam aus einem Arbeitsrhythmus, der nicht gesund war. Ich war fünf Tage die Woche auf Tour, zwei Tage zu Hause, hab dort auch Termine gehabt und war wieder auf Tour. Ich habe noch nie so lange am Stück in meinem eigenen Bett geschlafen und einen geregelten Tag mit Frühstück, Mittagessen, Abendessen gehabt. Das war total schön und hat mir wieder Energie gegeben, auch körperlich. Ich traue mich gar nicht, das laut zu sagen, weil ich natürlich weiß, wie existenzgefährdend diese Zeit für sehr viele Menschen ist, vor allem in meiner Branche. Ich habe ja das absolute Privileg, dass mich das finanziell nicht in eine Notsituation bringt wie viele meiner Kollegen.

Was denken Sie, wann werden Sie wieder auf Tour gehen?
Es muss ja wirtschaftlich sein für die Häuser. Viele können nur davon leben, wenn der Laden voll ist. Nicht, wenn er halb voll oder ein Drittel voll ist, und mehr ist momentan in den Corona-Zeiten schwierig. Trotzdem will ich mir nicht vorstellen, dass das ein Dauerzustand ist. Ich finde es ganz fürchterlich, wenn ich Bilder sehe vom vergangenen Jahr, als ich in großen Hallen aufgetreten bin. Das sieht jetzt so absurd aus, dass 15 000 Menschen dicht an dicht waren. Das ist leider noch ganz weit weg.