Horst Lichter kocht erfrischend herzhaft und hält sein Publikum mit Witz und hemdsärmeligem Charme bei Laune. Nun bereichert der Fernsehkoch die Speisekarte der Bahn mit seinen Gerichten.

© Bernhard Huber
Horst Lichter hat keine Scheu vor Chilischoten. Nur im Ganzen genießt er sie eher selten.
Man muss nicht lange nach ihm suchen, man hört ihn schon Meter vor der Garderobe: beim Reden, Erzählen, Kalauern. Verzällen, wie man im Rheinland sagt, darauf versteht er sich wie kein anderer deutscher Fernsehkoch. Mit spitzen Fingern zieht er die Enden seines Schnurrbarts nach und schmunzelt zufrieden in den Spiegel. »Ich finde, heute ist er mir besonders gut gelungen.«
Horst Lichter, der mit dem Schnurrbart. Wer ihn beschreibt, muss nur zwei Halbkreise vor dem Mund andeuten, schon ist klar, welcher Fernsehpromi gemeint ist. Die Silhouette seiner Barttracht ziert das Bühnenbild seiner Tournee wie ein Markenzeichen. »Viele denken, der Bart würde viel Arbeit machen, aber so eitel bin ich nicht«, erzählt Lichter, während die Visagistin Make-up auf seinen Wangen verteilt. »Das kostet mich drei Minuten. Nach dem Waschen Fön drunterhalten, danach Haarlack rein, glatt streichen, Haarlack nachschießen – fertig.«
Ein Hauch von »Väter der Klamotte«
Sein Vorbild, sagt er, seien die Muskelmänner von früher auf dem Jahrmarkt gewesen, die mit den Ringelpullis und gezwirbelten Kaiser-Wilhelm-Schnäuzern. Er würde auch gut ins Bild nostalgischer Automobilisten passen, die sonntags mit Fliegerhaube ihr Schmuckstück spazieren fahren. Ein Hauch von »Väter der Klamotte« umweht ihn, der über Umwege zum prominenten Entertainer wurde. Dass er einmal Stadthallen füllen, im Fernsehen auftreten und in diesem Jahr Gerichte in den Zügen der Deutschen Bahn anbieten würde – all das hätte er sich nie träumen lassen. »Zwischendurch vergesse ich nicht, auch mal dankbar zu sein«, bekennt er mit sonorer Stimme.
In zwei Stunden wird er im Friedrichshafener Graf Zeppelin Haus im karierten Flanellhemd mit dem Publikum plaudern und offenherzig zugeben, wie nervös er jedes Mal ist, wenn er auf der Bühne steht – so, wie es noch viele Male sein wird. Denn Horst Lichter hat 2013 eine große Live-Tour vor sich. Quer durch die Republik füllt er große Säle und beweist, dass er weit mehr ist als der Witzbold an der Seite von Sternekoch Johann Lafer in der ZDF-Show »Lafer! Lichter!Lecker!«. Der Titel seines Programms, »Jetzt kocht er auch noch!«, klingt erst einmal wie ein ironisches Eingeständnis an jene, die bis heute das Vorurteil hegen, der dauerlustige Lichter verstehe nicht allzu viel vom Handwerk. Dabei hat er tatsächlich eine Lehre zum Koch absolviert und jahrelang ein eigenes Restaurant geführt. »Ich weiß, was Koch für ein harter Job ist, morgens um sieben Uhr aufstehen und bis spätabends am Herd stehen.«


