Tropenhäuser

Der Dschungel von nebenan

Die Sehnsucht nach Wärme, üppigem Grün und Blütenduft erreicht zum Ende des Winters ihren Höhepunkt. Um sie zu stillen, muss man nicht weit reisen: mobil zeigt einige der schönsten Tropenhäuser in Deutschland.

Ein Stück Wildnis unter Glas im Palmenhaus Frankfurt am Main.

Mitten in Leipzig, zum Beispiel,  gibt es ein Land, wo immer Sommer herrscht, bei molligen 25 bis 28 Grad. Wo Bananen und Papayas wachsen, Palmen in den Himmel ragen, Hibiskus und Orchideen blühen. Und Äffchen keckernd durch die Wipfel turnen und sich ein smaragdgrüner Fluss in weiten Schleifen durch die Landschaft schlängelt.

Die Rede ist vom »Gondwanaland« im Leipziger Zoo: Die im Juli 2011 eröffnete Tropenerlebniswelt vermittelt eine erstaunliche Illusion von Wildnis unter freiem Himmel. Mit 16500 Quadratmetern und 35 Meter Höhe ist die transparente Halle fast so groß wie zwei Fußballstadien. Ganz unbescheiden benannte Zoodirektor Dr. Jörg Junhold sie nach dem riesigen Urkontinent Gondwana, der einst das spätere Asien, Afrika und Südamerika einte. Typische Pflanzen und Tiere aus den Regenwäldern dieser drei Erdteile leben in Leipzig unter einem Dach.

Damit den Betreibern neben Urwaldriesen nicht auch noch die Kosten über den Kopf wachsen, setzen sie auf Energie-Effizienz. So besteht die Dachhaut unter der frei tragenden Stahlkonstruktion aus luftgefüllten Folienkissen, die 100 Prozent UV-Licht durchlassen und isolieren. Tagsüber erzeugte Wärme landet in einem Erdwärmespeicher und beheizt die Halle bei Nacht, die Pflanzen werden mit Regenwasser gegossen.

Ein bisschen Abenteuer gehört im Gondwanaland Leipzig dazu: mit Bootstour auf dem Urwaldfluss [1], frechen Totenkopfäffchen [2] oder ein paar Schritten auf dem wackligen »Baumwipfelpfad« [3].

Mehr als eine künstliche Oase in der Großstadt soll Gondwanaland Botschafter für die echten tropischen Regenwälder und ihre Bewohner sein. Schautafeln, Filme, Hör- und Spielstationen vermitteln Wissen über das Ökosystem, den Wert seiner Artenvielfalt und über die Zerstörung durch den Menschen. Zwar sind die rund 300 Tiere im Gondwanaland die Hauptattraktion – doch optisch dominiert das Grün: Sie leben zwischen 17000 tropischen Pflanzen.

Architektur und Ausstellung sind vom Feinsten: das Klimahaus Bremerhaven [1]. Denkmalgeschützt: das Große Tropenhaus von Berlin [2, 3].

Im Klimahaus Bremerhaven gibt es mangels Glasdach zwar kaum natürliche Pflanzen, doch mit Tropenfeeling kann die moderne Wissens- und Erlebniswelt allemal aufwarten. Hier reist man sogar durch alle Klimazonen der Erde, auf dem achten Längengrad einmal um den Globus. Mal eben dem Trubel entkommen und das Großstadtgrau gegen Grün tauschen kann man auch in der Hauptstadt: Im Botanischen Garten Berlin-Dahlem werden seit über 100 Jahren lebende und getrocknete Pflanzen aus aller Welt gesammelt, dokumentiert und erforscht. Das denkmalgeschützte Große Tropenhaus aus dem Jahr 1907 ist das Flaggschiff eines Ensembles aus 14 Schauhäusern. Ein Rundkurs durch die Schauhäuser reicht vom »Garten Eden« blühender Ananasgewächse über eine »Grüne Hölle« wild wuchernder Farne bis zum sandigen Reich der Kakteen.

Allwetteroase in Stuttgart: historisches Gewächshaus in der Wilhelma mit blühenden Bougainvillea-Sträuchern [1]. Riesig: Victoria-Seerose im Tropicarium Frankfurt [2]. Exotisch: Jemen-Chamäleon in der Stuttgarter Wilhelma [3].

Einen Ausflug in die Tropen kann man in fast jeder größeren Stadt unternehmen. Zu den schönsten Gewächshäusern der über 70 botanischen Gärten Deutschlands zählen die Häuser im maurischen Stil in der Stuttgarter Wilhelma, die König Wilhelm I. von Württemberg einst zu seinem privaten Vergnügen errichten ließ. Ein architektonisches Schmuckstück ist auch das historische Palmenhaus im Palmengarten von Frankfurt am Main. Und im Wasserpflanzenhaus des Botanischen Gartens München-Nymphenburg gedeihen jetzt unter anderem Wasserhyazinthen, Mangroven oder auch samtig behaarte Wassersalate. Und noch bis zum 25. März flattern hier hunderte exotische Schmetterlinge frei herum. Da kann man glatt Frühlingsgefühle bekommen.

Nicoline Haas