Regenerative Energien

Testfeld Zukunft

Die Energiewende kommt in Gang: Immer mehr Strom entsteht aus der Kraft von Sonne und Wind, gewaltige Offshore-Windparks entstehen in Nord- und Ostsee. Doch an den Küsten und im Meer schlafen noch weitere, bislang kaum genutzte Energiepotenziale.  Mithilfe neuester Technologien können sie erschlossen werden.

Die erste deutsche Offshore-Windenergieanlage, Alpha Ventus, 45 Kilometer nördlich von Borkum.

Einsam war es da draußen und leer. Bis zum Horizont gab es nichts zu sehen, außer gelegentlich mal einen Fischkutter, ein Frachtschiff oder ein Segelboot. Doch nun hat auf dem kleinen Fleckchen Nordsee, 35 Kilometer nördlich von Helgoland, ein neues Zeitalter begonnen: Seit Monaten schaffen Spezialschiffe riesige Fundamente, Turmelemente und Turbinen heran, auf Arbeitsplattformen und Versorgungsschiffen herrscht reger Betrieb. Zuerst tief unten im Wasser und dann bis hinauf in schwindel­erregende Höhen sind Spezialmonteure demnächst dabei, 48 Windenergieanlagen zu installieren. Wenn das Offshore-Windkraftwerk Nordsee Ost von RWE Innogy wie geplant 2013 in Betrieb geht, liefert damit eine der größten kommerziellen Einrichtungen dieser Art 295 Megawatt Strom – genug für die Versorgung von knapp 300 000 Haushalten oder vieler mittlerer und großer Industriebetriebe.

»Wir haben in der Nordsee eine einmalige Ressourcensituation – ein Gebiet mit relativ flachem Wasser, ordentlichen Windgeschwindigkeiten und ganz vielen Verbrauchern ringsherum«, erklärt Jochen Bard, Experte vom Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesysteme [IWES] und dort für Meeresenergien zuständig. Es ist kein Zufall, dass die Erzeugung der Offshore-Windenergie hier angefangen hat und aktuell stark ausgebaut wird. Die Bedeutung der fossilen Stromerzeugung nimmt nach und nach ab, neue Energiequellen müssen her.

Bewährungsprobe unter härtesten Wetterbedingungen

Die gibt es in den Gewässern der Nord- und Ostsee in großem Maß, aber ihre Erschließung erfordert Höchstleistungen: »Wir haben dort draußen sehr harsche Bedingungen«, betont Martin Skiba. »Wir sind nicht in Küstennähe, sondern weit draußen, und haben
25 Meter Wassertiefe, oft hohen Wellengang. Das erfordert neue Lösungswege in fast allen Bereichen, sei es die Fundamentarbeit, der Einsatz spezieller Installationsschiffe oder die Wartung der Windräder auf See.«

Ingenieur Skiba ist bei RWE Innogy für den Bereich Offshore Wind zuständig und hat viel Erfahrung in Sachen Entwicklung und Bau von Windenergie­anlagen. »Wir sprechen hier über sehr anspruchsvolle Technik«, erklärt er. 100 Meter hohe Turbinentürme müssen installiert und Windenergieanlagen montiert werden, deren Gondeln jeweils 350 Tonnen wiegen und deren Rotorblätter
126 Meter Durchmesser haben. Diese Anlagen müssen sich dann unter härtesten Wetterbedingungen mit Stürmen, hohem Wellengang und aggressiver Salzluft über viele Jahre bewähren. Technisch möglich sind solche Großanlagen zur Erzeugung emissionsfreier Energie eigentlich schon länger. Doch realisiert werden können sie nur aufgrund des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, das eine garantierte Vergütung des Stroms und seine Bevorzugung gegenüber Elektrizität aus fossilen Brennstoffen zusichert. So erhalten die Anlagenbauer und -betreiber wirtschaftliche Sicherheit, können die nötigen Milliarden-Investitionen tätigen und so den Umbau des Energieerzeugungssystems voranbringen.

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