Ein mildes Klima und eine große Pflanzenvielfalt – Großstädte bieten gute Lebensbedingungen für Bienen. Die Initiative »Deutschland summt« fördert die Imkerei in Berlin, Frankfurt am Main und München.

© Eric Tourneret
Bienenstock auf dem Dach des Berliner Umweltforums Auferstehungskirche, im Hintergrund der Fernsehturm.
Wer diesen Sommer ein paar Tage in Berlin verbringt, sollte sich einen Rundgang durch den Dom nicht entgehen lassen. Denn neben Orgeln, Glockenspiel und der markanten Kuppel hat die größte Kirche der Hauptstadt eine weitere Attraktion: Auf dem Dach leben zwei Bienenvölker. Und durch die Fenster der Kuppel kann man ihnen ein wenig bei der Arbeit zuschauen.
Nicht nur auf dem Berliner Dom summt es. Auch auf dem Abgeordnetenhaus, dem Planetarium am Insulaner und dem Haus der Kulturen der Welt leben Honigbienen. Dahinter steckt die Initiative »Deutschland summt«, die auf die Schönheit und Nützlichkeit dieser Insekten aufmerksam machen will, die in Deutschland sehr gefährdet sind. In Zusammenarbeit mit Stadtimkern und Hausbesitzern stellt sie Völker an repräsentativen Standorten in deutschen Großstädten auf. So rückt die Biene ins öffentliche Bewusstsein und erfährt vielerorts Unterstützung. Denn Krankheiten, Pestizide und ein mangelndes Nahrungsangebot durch Monokulturen machen ihr das Leben schwer.
Mehr als 1000 Hobby-Imker in Berlin
Dabei müssten sich Bienen in Deutschland eigentlich besonders wohlfühlen. Schließlich leben hier die leidenschaftlichsten Honigesser der Welt: 1,4 Kilogramm verzehrt der Durchschnitts- bürger jährlich. Und die Begeisterung für das Naturprodukt endet längst nicht mehr am Frühstückstisch: Die Deutschen übernehmen Bienenpatenschaften, pflanzen bienenfreundliche Blumenwiesen, belegen Imkerkurse und stellen sich dann eigene Bienenstöcke in den Garten oder aufs Dach. Allein in Berlin soll es inzwischen mehr als 1000 solcher Hobbyimker geben.
Doch auch die können den Honigbedarf nicht erfüllen. Die Nachfrage nach dem süßen Brotaufstrich ist in Deutschland so groß, dass mehr als 80 Prozent aus dem Ausland importiert werden müssen – aus Ungarn, Spanien und Rumänien, sogar aus Argentinien, China und Uruguay. Denn Honig lässt sich nicht am Fließband produzieren.

