Finanzierung

Ohne Bank geht’s auch

Oft endet eine gute Geschäftsidee an den Toren der Geldinstitute. Dabei lässt sich Startkapital auch im Internet bekommen. Beim Crowdfunding ermöglichen viele private Investoren die Umsetzung eines Vorhabens.

Franziska Scheidel – sie hat in Berlin den Blumen-Abo-Service Bloomy Days gegründet.

Den 31. Mai wird Franziska Scheidel nicht so schnell vergessen. Es ist der Tag, der ihr Leben verändern wird. Sie sitzt in der Küche, das Notebook aufgeklappt, und wartet darauf, dass die Vorstellung von »Bloomy Days« – einem Abo-Service für Blumen – online freigeschaltet wird. Punkt zwölf, die Uhr läuft, aber sie läuft nicht lange. Der Kaffee ist noch heiß, da hat der Finanzierungsbalken auf der Website bereits 20 Prozent erreicht. 500 Euro, 1000 Euro, 2000 Euro, im Minutentakt wird aus der Hoffnung eine überwältigende Gewissheit: Die Idee kommt an!

Nach 20 Minuten sind bereits 20 000 Euro eingestellt, 70 Minuten später hat die Summe die 100 000-Euro-Marke erreicht. »Es war unvorstellbar«, erinnert sich die Berlinerin, »in kurzer Zeit kamen 172 private Investoren zusammen und gaben mir die Chance zu starten.« Nun sitzt Franziska Scheidel in ihrem neuen Firmenbüro am Prenzlauer Berg zusammen mit drei Aushilfen und koordiniert die Bestellungen. Ihr Team stellt verschiedene Blumen zu Sträußen zusammen und verschickt diese je nach Abonnement wöchentlich, zweiwöchentlich oder monatlich an private Haushalte oder Unternehmen. »Jeden Tag wächst die Zahl der Kunden«, sagt sie stolz, »bald kann ich die erste feste Mitarbeiterin einstellen.«

Ein Schwarm von Mini-Investoren

Auch die Düsseldorfer Michael Kraus und Gilbert Souvignier suchten nach Investoren für »Cosmopol« – einen Online-Shop für landestypische Produkte aus aller Welt – und entdeckten mit dem Crowdfunding eine neue Form der Finanzierung. Dabei ermöglicht ein Schwarm [Crowd] von Mini-Investoren im Internet mit Geldbeträgen die Realisierung von Projekten und Geschäftsideen. Heute brummt das Geschäft von Cosmopol und straft alle diejenigen Lügen, die dem Vorhaben damals skeptisch gegenüberstanden und es nicht unterstützen wollten.

Auch Franziska Scheidel ist die »Roadshow« durch die Banken noch lebhaft in Erinnerung. Vier Instituten stellte sie ihren Businessplan vor, keines wollte ihr einen Kredit gewähren. »Dann fand ich eine Bank, aber die hätte dann die völlige Kontrolle über die Finanzen übernommen.« Ihre Zuversicht kehrte erst zurück, als sie vom Crowdfunding erfuhr.

Im kulturellen Bereich hat sich die Vorfinanzierung aus dem Netz längst etabliert. Künstler und Kreative hoffen mithilfe vieler Investoren, Alben, Bücher und Filme realisieren zu können. Aber auch Tüftler, Forscher, Menschen mit sozialen und ökologischen Anliegen versuchen andere von ihren Ideen zu überzeugen. Sie präsentieren ihre Vorhaben auf Crowdfunding-Seiten in Form von Texten, Fotos und Videos und legen eine Zielsumme fest.

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