Modernes Wohnen

Ein Haus für alle[s]

Eine neue Wohnform gewinnt an Boden in Deutschland – das Haus, in dem Platz für mehrere Generationen ist. In Essen hat ein Unternehmer seine persönliche Vision vom modernen Zusammenleben verwirklicht.

Gute Mischung: Unternehmer Reinhard Wiesemann (links) mit den Bewohnern auf der Terrasse des Mehrgenerationenhauses in Essen.

Oh, yeah! Natürlich hat Danny Thrupp das rote, original englische Telefonhäuschen als seine persönliche Einladung betrachtet. Als der Engländer bei der Besichtigung des »GenerationenKult-Hauses« die Telephonebox auf der Dachterrasse stehen sah, war er vollends überzeugt, sein neues Zuhause gefunden zu haben. Ohne zu zögern, hat der 33-Jährige im November letzten Jahres seinen Düsseldorfer Single-Haushalt aufgelöst, um in das Essener Mehrgenerationen-Wohnprojekt zu ziehen. Diesen Entschluss hat er nicht bereut: »Vorher war ich fremd und fühlte mich oft einsam«, erzählt er. »Hier lerne ich jetzt viele nette Leute kennen. Hätte ich eher von diesem Haus erfahren, ich wäre schon viel früher hergekommen.«

So wie Marga Weindorf. Zusammen mit Pudeldame Susi gehörte die 75-Jährige zu den ersten Mietern, die 2011 eine Wohnung in der Viehofer Straße 31 bezogen: »Ich war doch vorher sehr allein«, sagt die zierliche Frau, »aber hier bin ich wieder aufgeblüht. Die Hausgemeinschaft ist meine neue Familie geworden.«

Immer mehr Menschen wollen anders wohnen

Ob als Single, Paar oder als Familie mit Kindern, ob als Student, Berufstätiger oder Rentnerin – immer mehr Menschen wollen anders wohnen: zusammen statt isoliert, mit mehr Freude am Miteinander, mehr Verantwortung füreinander und mit mehr gegenseitiger Hilfe und Unterstützung. Angesichts des demografischen Wandels und der rapide ansteigenden Zahl älterer Menschen rückt insbesondere das Mehrgenerationenwohnen in den Fokus, vereint es doch im Idealfall Jung und Alt unter einem großen Dach. Dass diese Form der Wahlverwandtschaft noch viel mehr bieten kann als das oft beschworene »Kinderhüten gegen Einkaufshilfe«, beweist das Essener Modell.

Ins Leben gerufen hat es der Unternehmer Reinhard Wiesemann, 53, im Revier bereits bekannt für seine ungewöhnlichen Projekte. In Essen hat er zuerst das »Linuxhotel« eröffnet, danach das »Unperfekthaus« mit kostenlosen Ateliers für kreative Existenzgründer. In der Essener Fußgängerzone erwarb er schließlich ein ehemaliges Versicherungsgebäude, um es in ein Mehrgenerationen-Wohnhaus nach seinen Vorstellungen zu verwandeln. »Ich wollte ein Haus, in dem ich selber gern alt werden möchte«, erzählt Wiesemann, der nach dem Umbau gleich mit eingezogen ist.

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