Der Osterhase kommt in allen Formen und Farben: Hauptsache, braun! Denn weiße Schokolade ist keine Schokolade. Das haben wir in den bitteren Lehrjahren mit den schwarzen Kakaokreationen gelernt. Doch die Schwarz-Weiß-Malerei setzte sich nicht durch: Für die meisten Deutschen liegt der wahre Genuss nach wie vor in der Mitte.

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Am Ende dieses Monats wieder ganz oben auf der Schokoladen-Hitliste: Osterhasen – am liebsten Vollmilch.
Schokolade ist fassbar, greifbar und vor allem essbar gewordenes Glücksgefühl«, schwärmt Wim Wenders. Falls der Regisseur je einen Film über die süße Versuchung drehen sollte, käme da neuerdings noch eine weitere Genussvariante hinzu. Folgende Szene: In einem Zug sitzt ein junger Mann. Plötzlich zieht der aus seiner Jackentasche ein Metalldöschen, klopft daraus eine dunkelbraune, feine Prise auf den Handrücken und, schnief, atmet das Ganze durch die Nase ein. Nein, kein Schnupftabak. Es ist Schokolade zum Inhalieren, vor zwei Jahren von einem Süßwarenhersteller auf den Markt gebracht. Nach dem Gewürz-Hype eine weitere ungewöhnliche Kreation, Schokolade zu genießen.
Dabei bedürfte es solcher Maßnahmen gar nicht: 9,61 Kilogramm Schokolade haben die Bundesbürger pro Kopf im Jahr 2011 genossen, meldete der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie e. V., die Lust auf das Kakaoprodukt wächst sogar jährlich [europaweit sind nur die Schweizer noch verrückter nach dem süßen Stoff]. Schokolade ist so beliebt, dass es dafür sogar ein Museum gibt: Das Haus direkt am Rhein in Köln, in dem sich alles um dieses Thema dreht, zählt 650000 Besucher im Jahr und gehört damit zu den zehn beliebtesten deutschen Museen. Es sind aber nicht die neumodischen Sorten, zum Beispiel mit Chili, die Schokolade zum klaren Spitzenreiter aller Naschwerke machen. Auch nicht Varianten mit Joghurt- oder Orangengeleefüllungen. Und ganz bestimmt nicht spektakuläre Mischungen wie Schokolade mit Gänseleber. Nein. Man nehme: Kakaobutter, Zucker und Milch. Das ergibt die ganz normale Vollmilchschokolade – sie ist mit Abstand am häufigsten in den Vorratsschubladen und -schränken der Deutschen zu finden [allerdings nicht lange …].
»Ich will keine Schokolade, ich will lieber einen Mann«
Daran konnte auch die zwischenzeitliche Aufholjagd der Bitterschokoladen nichts ändern. Sie sollen angeblich gesünder sein, ihr hoher Kakaoanteil und dessen Wirkstoffe stärken das Herz und senken den Cholesterinspiegel. »Kein zweites Mal hat die Natur eine solche Fülle der wertvollsten Nährstoffe auf einem so kleinen Raum zusammengedrängt wie gerade bei der Kakaobohne«, ahnte schon der Forscher Alexander von Humboldt [1769–1859], und das bestätigen heute viele wissenschaftliche Untersuchungen. Allerdings, so sagen die Schoko-Wissenschaftler, müsste man schon ziemlich große Mengen essen, um einen positiven gesundheitlichen Effekt zu erzielen. Der dann allerdings sofort wieder durch die übermäßige Kalorienzufuhr geschwächt würde – Übergewicht macht bekanntlich krank.
Überhaupt scheint das Thema die Forschung zu faszinieren. Bewiesen ist unter anderem, dass man eine einmal angefangene Tafel immer ganz aufessen muss. Auch das Klischee, dass Schokoladenverzehr vor allem Frauen glücklich macht, konnten Studien mittlerweile bestätigen. Es soll mit den Hormonen zusammenhängen. »Ich will keine Schokolade, ich will lieber einen Mann«, sang Trude Herr dereinst, nur das könne sie glücklich machen. Hätte sie die heutigen Forschungsergebnisse gekannt, würde sie sich das bestimmt noch mal überlegen.
Christian Sobiella

